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Dialog und Theologien

Das Phänomen des Zusammenwachsens der einen Welt im Zeitalter der Globalisierung sowie jenes der Pluralisierung der Gesellschaften gehören zu den größten Herausforderungen gegenwärtiger Gesellschaften. Die Konvivenz verschiedener Kulturwelten, u. a. aufgrund zunehmender weltweiter Migrationsbewegungen, fordert zur vertieften Auseinandersetzung und Reflexion der Bedeutung von Identität, Gemeinsamkeit und Differenz heraus. In diesem Sinne sind auch die Religionen und Theologien zum Dialog angehalten, denn aufgrund der eben genannten Phänomene scheint das 21. Jahrhundert ein Jahrhundert der „großen“ oder „interreligiösen Ökumene“ zu werden. Zu einem solchen Prozess soll der Arbeitsbereich Dialog der Theologien beitragen. Die zugehörige Arbeit ist in jenem Geist der Offenheit zu verstehen, wie er sich im Zweiten Vatikanischen Konzil in der Erklärung Nostra Aetate sowie in den Weltgebetstreffen von Assisi formulierte. Beide Ereignisse haben auf theoretische wie praktische Weise neue Wege für einen Dialog der Theologien und Religionen eröffnet, denen in den verschiedenen Projekten und Dialoginitiativen des Arbeitsbereiches Rechnung getragen wird.

Zentrales Anliegen des Dialogs der Theologien ist zunächst die Sicherung und Gewährleistung einer Konvivenz der Religionen in gegenseitiger Anerkennung. Der Dialog birgt das Potential, Radikalismen und Fundamentalismen entgegenzuwirken und zu friedenstiftenden Bildungsprozessen beizutragen. In gleicher Weise bedeutsam ist jedoch auch die Ermöglichung eines (Neu-)Verstehens des Eigenen durch die intensive Auseinandersetzung mit dem Anderen. Es geht deshalb im Dialog der Theologien nicht in erster Linie darum, eine „Theologie der Religionen“ allein aus dem Selbstverständnis der christlichen Tradition heraus zu entwickeln. Vielmehr interessiert sich die Theologie aus einer Perspektive des Dialogs für die anderen Religionen in ihren Grundlagen und in ihrer konkreten Geschichtlichkeit. Für ein solches Unternehmen ist die Integration der Sachkenntnis der Religionswissenschaften unabdingbar. Außerdem verlangt es, die Art und Weise Theologie zu betreiben aus der Situation des Dialogs neu zu entwickeln und zu denken. Ziel eines solchen Dialogs der Theologien ist es, auf wissenschaftlicher Ebene die Binnenperspektiven unterschiedlicher Religionen miteinander ins Gespräch zu bringen, um einerseits Differenzen respektvoll und produktiv anzuerkennen sowie andererseits mögliche tiefgreifende Gemeinsamkeiten in den Traditionen zu entdecken. Dies vollzieht sich in der Herausforderung konkreter Begegnungen.

An der Katholisch Theologischen Fakultät Graz wird der Dialog der Theologien aktuell verstärkt mit Angehörigen des schiitischen Islam gesucht. Die Ferdowsy Universität von Mashhad im Iran stellt hierbei einen der Austausch- und Dialogprojektpartner dar. In gemeinsamen Seminaren und Publikationen treten in dieser Kooperation Studierende und Lehrende über gesellschaftspolitische Problematiken in Diskussion. Zentral ist jedoch ebenso der Dia-/Trialog mit der jüdischen und muslimischen Theologie vor Ort, welcher in Zusammenarbeit mit benachbarten Disziplinen über die systematische Theologie hinaus, wie z. B. die Religionspädagogik, betrieben wird. Ein bewusst interdisziplinärer Zugang sowie die Einrichtung halbjährlicher Fellowships, die an jüdische bzw. muslimische Jungwissenschafterinnen und ‑wissenschafter vergeben werden und der direkten, persönlichen Zusammenarbeit dienen, befördern eine intensive und multiperspektivische Auseinandersetzung mit theologischen, hermeneutischen sowie religionssoziologischen und -politischen Fragestellungen, die alle drei monotheistischen Religionen gleichermaßen betreffen.

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